Die dramatische Wohnungsknappheit in den Städten erfordert Lösungen, mit denen die begrenzte Fläche effizienter genutzt werden kann. Eine vielversprechende Möglichkeit ist die Aufstockung von bestehenden Gebäuden aller Art. Der Leichtbau, speziell die Holzbauweise, bietet für derartige Aufstockungen einen bunten Strauß an Vorteilen; vor allem die schnellen Bauzeiten und das geringe Gewicht machen das Ganze hochinteressant für Projektplaner.

Gerade in den Ballungszentren ist bei der Schaffung von Wohnraum die Quadratur des Kreises gefragt: Einerseits müssen dringend und schnell neue Wohnungen entstehen, am besten in der Größenordnung 10.000 plus. Andererseits dürfen gerade in den Städten nicht noch weitere Freiflächen versiegelt werden. Der Gedanke, die bereits bebauten Flächen durch Aufstockungen einfach noch effizienter zu nutzen, liegt da quasi auf der Hand. Im Fokus stehen dabei nicht allein Wohngebäude. Auch Büro- und Geschäftshäuser oder eingeschossige Discounter mit ihren Parkplätzen bieten ein enormes Potenzial für zusätzliche Wohnungen – durch Nachverdichtung wie Aufstocken, Umnutzung und Bebauung von Fehlflächen. Zusätzlich lässt sich auch eine Auswahl an öffentlichen Verwaltungsgebäuden für neuen bezahlbaren Wohnraum nutzen. Auch auf bestehende Einfamilienhäuser kann ohne Probleme aufgestockt werden. Hier steht dann allerdings weniger die Schaffung neuen, als oft die Erweiterung alten Wohnraums im Mittelpunkt.
Was sagt die Statik?
Knackpunkt bei der Entscheidung über eine Aufstockung ist die Statik des Bestandsgebäudes. Viele Altbauten weisen grundsätzlich die notwendigen Lastreserven auf, eine genaue Prüfung der Statik ist aber in jedem Fall zwingend. Je nachdem, ob die Aufstockung als Voll- oder als Staffelgeschoss ausgeführt werden soll, sind unterschiedliche Wege der Lastableitung möglich.
Bei einem Staffelgeschoss wird durch die nach innen versetzten Außenwände die Dachlast über Umwege nach unten in die Fundamente geleitet. Die Bestandsdecke ist im Auflagebereich der neuen Außenwände besonders beansprucht. In der Regel kommt dann eine zusätzliche lastabtragende Decke mit einzelnen Stahlverstärkungen zum Einsatz. Diese wird wie ein „Deckel“ vor der Montage des neuen Geschosses über das bestehende Gebäude gelegt und verankert. Anschließend wird das neue Geschoss gerichtet. Diese Maßnahme ist umfangreicher und steigert dadurch die Baukosten für ein Staffelgeschoss.

Wird ein Vollgeschoss aufgesetzt, kann die Lastabtragung über die bestehenden Außenwände erfolgen. Wichtig ist gerade bei EFH: Ein Vollgeschoss braucht laut LBO des jeweiligen Landes Abstandsflächen, die auf dem Grundstück nachgewiesen werden müssen.
Für die Statik der Aufstockung und des Bestandsgebäudes ist das Baumaterial von entscheidender Bedeutung, und hier kommt endlich das Holz ins Spiel. Von allen Baumaterialien bietet Holz das günstigste Verhältnis von Eigengewicht zu Tragfähigkeit, deshalb eignet sich Holz wie kein anderer für die Aufstockung und Erweiterung im Bestand. Nimmt man alleine die Rohdichte als Maß, so wiegt ein Kubikmeter Fichtenholz mit etwa 450 kg weniger als die Hälfte eines Kubikmeters Mauerwerk (Mauerziegel oder Kalksandstein). Während für die Ertüchtigung der Tragstruktur respektive die Ab- und Umleitung der vertikalen Lasten in der Regel mit Stahl gearbeitet wird, sind deshalb die tragenden Elemente und oft auch die Fassade aus Holz gefertigt. Von den beiden Hauptkonstruktionsarten im Holzbau bietet der Holzrahmenbau nochmal mehr Gewichtsvorteile gegenüber den Brettsperrholzelementen. Er bietet nämlich eine optimale Relation von umbautem Raum und Nutzfläche, weil die Tragkonstruktion und Wärmedämmung in derselben Ebene liegen.
Schlanke Logistik
Wie im Holzbau üblich können auch die Elemente für eine Aufstockung komplett im Werk vorgefertigt werden. Die hohe Präzision ist beim Bauen im (oder auf) Bestand nochmal wichtiger als beim Neubau. Was bei einer Aufstockung grundsätzlich zu berücksichtigen ist, ist die möglichst störungsarme Nutzbarkeit des Bestandsgebäudes während der Bauphase. Bekanntermaßen lässt sich durch die Vorfertigung und die relativ einfache Montage der Holzelemente etwa 70 % der sonst üblichen Bauzeit einsparen.
Aufstockungen – die Lösung?
Die Wohnungsnot in Deutschland lässt sich durch Aufstockungen nicht lösen, aber zumindest mindern. Nach einer Studie der TU Darmstadt und des Pestel-Instituts berechnen sich in den ausgewiesenen Regionen mit erhöhten Wohnbedarf auf den 0,58 Mio. aufstockbaren Mehrfamilienhäusern ein Potential von rund 84,2 Mio. m2 zusätzlicher Wohnfläche und von rund 1,1 Mio. zusätzlichen Wohnungen durch Aufstockungen. Allerdings bietet die Extra-Etage den Forschern zufolge auch noch weitere Vorteile:

So kann durch die Überbauung der obersten Geschossdecke eines unsanierten Bestandsgebäudes mit beheiztem Wohnraum der Energiebedarf erheblich gesenkt werden. Modernisierungseffekte lassen sich für das ganze Haus nutzen und anstehende Sanierungsmaßnahmen mit den Maßnahmen für die Erweiterungen kombinieren und in Teilen gegensubventionieren. Zudem ist das ökologische Potential durch Aufstockungen vor allem im Bereich der Vermeidung von Flächenverbrauch an Bodenfläche sehr bedeutsam.