Bauen mit Holz gilt als der ökologische Gamechanger beim Wohnungsbau. Aber die so oft bemühte Nachhaltigkeit dieser Bauweise ist nicht der einzige große Vorteil. Der zweite, mindestens genauso entscheidende Pluspunkt ist Geschwindigkeit. Hier sind sechs Gründe dafür, warum der Holzbau schneller ist als der Massivbau.
1. Planung: Gut geplant ist schnell gebaut
Der Holzbau unterscheidet sich von den anderen massiven Bauweisen durch die ausgeprägteste Vorfertigung seiner Bauteile. Das bedingt eine exakte Planung, zu der idealerweise von Anfang an Holzbauexperten maßgeblich einbezogen werden sollten. Der Holzbau braucht den Planungsprozess, den die BIM-Methode anstrebt: Alle Planenden und Ausführenden sind frühzeitig mit im Boot, um das Gebäude bis ins Detail zu planen, bevor die Bestellung und erst recht die Vorfertigung beginnt.

Was sich zunächst nach eher mehr Aufwand anhört, spart in der anschließenden Vorfertigung und Montage enorm viel Zeit. Denn die beim Massivbau obligatorischen Änderungen und Anpassungen im Bauablauf sichern zwar eine gewisse Flexibilität im Bauablauf, kosten aber enorm viel Zeit. Wenn die Planung des Holzbaus einmal steht, ist der Rest ein Kinderspiel.
2. Vorfertigung: Elemente statt Einzelteile
Der Holzbau bietet die Möglichkeit, Wände, Decken und Dächer als großflächige Elemente inklusive der Fassade, den Installationen und der inneren Sichtbeläge vorzufertigen. Die Zeitersparnis liegt dabei in zwei Umständen begründet: Zum einen ist die Vorfertigung in modernen Holzbaubetrieben entweder zu einem großen Teil oder fast ganz automatisiert. Auf großen Montagetischen beispielsweise übernehmen Roboterarme die Abnagelung der OSB-Beplankung, der Zuschnitt der Hölzer passiert vollautomatisch in Abbundanlagen. Zum zweiten sorgt die hohe Präzision der so gefertigten Elemente dafür, dass das Ganze am Ende auch zusammenpasst – und zwar ohne aufwändige und zeitintensive Nacharbeiten auf der Baustelle.
3. Logistik: Ihr Paket ist da
Bedingt durch die Bauweise in vorgefertigten Elementen beim Holzbau sind im Vergleich zu Baustellen von massiven Gebäuden weit weniger LKW-Transporte nötig. Je weniger LKW ankommen, desto geringer ist der Zeitaufwand für das Entladen. Auch ist die Anfälligkeit für Verzögerungen durch den Verkehr oder Engpässe beim Logistikunternehmen wesentlich geringer. Transportiert das Holzbauunternehmen seine Elemente selbst, wird der kontinuierliche Nachschub auf die Baustelle sichergestellt.

4. Montage: Bauen wie Lego
So groß und vormontiert die gelieferten Elemente auch sind, auf der Baustelle reichen in der Regel einfache Schraub- und Bolzenverbindungen für die Errichtung und Verankerung des Gebäudes völlig aus. Nach Vorgaben des Tragwerksplaners hinsichtlich Dimensionen und Abständen drehen die Monteure an den Elementstößen Vollgewindeschrauben ein, über die sämtliche Lasten über- und abgetragen werden können. Wenn beispielsweise alle Verbindungsmittel in den Wandelementen gesetzt sind, können gleich die Deckenelemente aufgelegt werden. Die beim Massivbau üblichen Abbindezeiten von Mörtel und Beton entfallen beim Holzbau naturgemäß völlig.
Besonderes Augenmerk bei der Montage liegt auf der Verankerung der Holzelemente auf der Bodenplatte respektive einem Betonsockel. Hier sind spezielle Holzverbinder einzusetzen, die das relativ leichte Gebäude gegen Abheben und Verschieben sichern. Zuganker und Schubwinkel sind hier die Mittel der Wahl, die nach Vorgaben des Tragwerksplaners gesetzt werden müssen. Ist das einmal geschehen, ist der Rest der Montage ein reines Zusammenstecken.

5. TGA: eine neue Vorgesetzte
Bei der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA) ist es bei Massivbauten üblich, zumindest die Leitungen für Heizung, Lüftung, Sanitär und auch die elektrischen Leitungen unter Putz zu legen. Das bedeutet für alle Beteiligten einen enormen Aufwand. Der Holzbau bietet die Möglichkeit, eine sogenannte Installationsebene vor die Trennwände zu setzen, in der alle nötigen Zu- und Ableitungen Platz finden.
Hergestellt wird diese Ebene durch das Verschrauben von Traglatten auf der Wand, zwischen denen die Leitungen Platz finden, und durch die anschließende Beplankung mit Gipskarton- oder Gipsfaserplatten. Eine Installationsebene erleichtert vor allem den Installateuren die Arbeit bei der Befestigung ihrer Bauteile, sie kostet allerdings auch ein paar Zentimeter an Raumbreite.
6. Baufeuchte: Bitte warten!
Die schon erwähnte Abbindezeit für alle zementgebundenen Baustoffe (Beton und Mörtel brauchen volle 28 Tage bis zur völligen Aushärtung) entfällt beim Holz komplett. Das gilt allerdings auch für die Baufeuchte, die die Bauherren in ihren Massivbauten aufwändig rausheizen müssen. Das kann unter Umständen ein paar Monate dauern. Den Haupteintrag von Baufeuchte steuern dabei die üblichen Nassestriche auf Zement- oder Anhydritbasis bei. Die sind im Holzbau zwar auch möglich, allerdings entscheiden sich hier viele Bauherren für einen komplett „trockenen“ Ausbau und wählen entsprechende Trockenestrichelemente. Fehlende oder stark reduzierte Trockenzeiten führen dazu, dass zwischen Baubeginn und Einzug mehrere Wochen Zeitersparnis liegen.